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Mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stieß der Fachtag „Frauen und Sucht – geschlechterspezifisch behandeln, wirksam unterstützen“ am 25. November auf große Resonanz. Die vom Sozialen Beratungsdienst des Staatlichen Gesundheitsamtes in Erlangen ausgerichtete Veranstaltung brachte sorgfältig ausgewählte Referentinnen und Referenten zusammen. Sie kombinierten fachliche Expertise aus Medizin, Therapie, Beratung und sozialen Hilfesystemen mit persönlichen Erfahrungsberichten und eröffneten so einen vielschichtigen Blick auf das Thema. Einleitende Worte sprachen die Sachgebietsleitung, Frau Dr. Yvonne Böswald, sowie die Gleichstellungsbeauftragte Claudia Wolter, die in ihrem Grußwort auch an den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen erinnerte.
Den Auftakt machte Susanne Demling, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in der Institutsambulanz im Klinikum am Europakanal in Erlangen. In ihrem Vortrag zu psychiatrischen Besonderheiten bei suchtkranken Frauen zeigte sie auf, dass Frauen zwar insgesamt seltener abhängig sind als Männer, jedoch häufig aus anderen, oft komplexeren, Gründen zu Suchtmitteln greifen. Traumata, gesellschaftliche Rollenbilder, emotionale Belastungen und hohe familiäre Verantwortung wirken dabei als zentrale Risikofaktoren. Ihre Analyse machte deutlich: Geschlechtersensible Diagnostik und Behandlung sind unverzichtbar.
Im zweiten Beitrag stellte Stefan Lehner, Leiter der Fachklinik Haus Immanuel in Hutschdorf, seine Einrichtung vor und rückte besonders die Situation der Kinder suchterkrankter Mütter in den Mittelpunkt. Diese dürften im Behandlungssystem keinesfalls „mitlaufen“, sondern bräuchten gezielte Förderung, emotionale Stabilisierung und verlässliche Begleitung, um eigene Risikoverläufe frühzeitig zu verhindern.
Anschließend gab Silvia Kaubisch, stellvertretende Leitung von Lilith e.V. in Nürnberg, einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit der spezialisierten Einrichtung für suchtkranke Frauen. Sie betonte die Bedeutung und Notwendigkeit von Schutzräumen für ihre Klientinnen, die häufig von Gewalt, Armut und gesellschaftlicher Benachteiligung betroffen sind.
Zum Abschluss gewährte Eva Biringer, Autorin und Journalistin, anhand ihres Buches „Unabhängig. Vom Trinken und Loslassen“ sehr persönliche Einblicke. Offen berichtete sie von ihrer eigenen Suchterkrankung und verdeutlichte, gleichermaßen authentisch und feinfühlig, wie der gesellschaftlich akzeptierte und oft unkritische Konsum von Alkohol in die Abhängigkeit führen kann.
Der Fachtag zeigte klar: Frauen mit Suchterkrankungen brauchen gezielte Unterstützung, verlässliche Schutzräume und weniger Stigmatisierung. Geschlechtersensible Hilfesysteme sind kein Zusatz – sie sind ein wesentlicher Baustein wirksamer Suchthilfe.