Digitale Gesundheitskompetenz

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Doktor Google

Im Jahr 2020 nutzten knapp drei Viertel der Deutschen das Internet, um gesundheitsrelevante Informationen zu beschaffen. [2] Doch vertrauenswürdige Information zu finden und zu erkennen, ist im Zeitalter der Digitalisierung eine wachsende Herausforderung: Gesundheitsforen und -portale, Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten beschrieben von „Experten“ oder „Coaches“ sowie Erfahrungsberichte von Influencern – der Recherchierende ist einer unendlich wirkenden Menge an Informationen mit großen Qualitätsunterschieden ausgesetzt. In dieser Infodemie, wie sie die WHO betitelt, haben alarmierende 75 % der Deutschen Probleme, Informationen zu Krankheiten auf ihre Seriosität zu beurteilen. [6][8]

Digitale Gesundheitskompetenz – Was ist das überhaupt?

Abbildung 1 Gesundheitskompetenz in Anwendung (eigene Darstellung)

 

 

 

Dem letztendlichen eigenwirksamen Handeln für die Gesundheit stehen sowohl im analogen als auch digitalen Bereich diverse Prozesse vor. Informationen müssen gefunden, verstanden, beurteilt und angewendet werden, um Gesundheitsentscheidungen treffen zu können, die schließlich die eigene Lebensqualität erhalten oder verbessern. Neben der Existenz qualitativer Information benötigt es dazu Wissen, Motivation und Fähigkeiten, welche als Konglomerat die individuelle Gesundheitskompetenz darstellen. [4][7]

 

Die acht Dimensionen der Digitalen Gesundheitskompetenz

Abbildung 2 Die acht Dimensionen der digitalen Gesundheitskompetenz [5]
Während in der analogen Welt unter anderem kommunikative Kompetenzen elementar sind, wie zum Beispiel im Arztgespräch, werden im digitalen Umfeld mitunter andere Fähigkeiten benötigt. [1] Viele Kompetenzen sind in beiden Bereichen gefragt, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung.

Grundlegend für kompetentes Handeln im Internet sind das Wissen und die Fähigkeiten über die Nutzung von Computern und vergleichbaren Geräten (Computer Literacy) sowie Lese- und Schreibkenntnisse (Traditional Literacy).

Besonders im digitalen Kontext stellt darüber hinaus das kritische Sammeln, Verwalten, Bewerten und Anwenden der Daten (Data Literacy) eine gänzlich andere Herausforderung dar. Dabei kommt es – wie bereits erwähnt – auch immer darauf an, inwieweit gewisse Rahmenfaktoren diese Vorgänge ermöglichen. Steht (zuverlässige) Information überhaupt zur Verfügung und besitzt das Individuum die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen und wissenschaftliche Informationsquellen zu verstehen und anzuwenden (Information Literacy), steigt die Wahrscheinlichkeit auf eine kompetente Navigation durch das Internet und durch das Gesundheitssystem im Allgemeinen (Navigation Literacy).

Auch der Privacy Literacy kommt im Digitalen eine größere Bedeutung zu. In ihr bündeln sich Datenschutzkompetenzen und technische Fähigkeiten zum Schutz personenbezogener Daten. Gerade auf sozialen Medien wie Foren o.ä. muss man sich der Öffentlichkeit der eigenen Daten bewusst sein. Damit verbunden ist auch die Media Literacy mit Hilfe derer die aktive, bewusste und kritische Teilnahme an der digitalen Mediengesellschaft gewährleistet wird. [3][5]

Handlungsbedarf und nützliche Seiten

Ersichtlich ist also, dass digitale Gesundheitskompetenz vielschichtig und komplex ist. Neben den persönlichen Fähigkeiten sind auch gewisse Rahmenbedingungen erforderlich. Mit dem Blick auf die bedenklich niedrige digitale Gesundheitskompetenz der Deutschen, der aber eine wachsende Verlagerung von Gesundheitsthemen in den digitalen Bereich entgegensteht, sind Handlungen erforderlich.

Primär ist die Ermöglichung eines Zugangs zu Computern und Internet für alle Menschen nötig. In einem weiteren Schritt verlangt es nach Schulungen und Aufklärungsarbeit zur Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz. Zudem müssen Websites mit qualitativen Gesundheitsinformationen besser beworben und komplexe wissenschaftliche Fakten und Ausdrücke simplifiziert werden.

Einige Websites, die geprüfte gesundheitsrelevante Informationen bereitstellen und Hilfestellungen für die Fortbewegung im digitalen Gesundheitsuniversum geben, sind zum Beispiel folgende:

https://gesund.bund.de/

https://www.bzga.de/

https://washabich.de/

https://www.aps-ev.de/checkliste/

 

Literaturverzeichnis

[1] Bitzer, E.‑M. (2021). Ressource Gesundheitskompetenz. impu!se für Gesundheitsförderung, (113), 3–4. Zugriff am 21.02.2023. Verfügbar unter: https://www.gesundheit-nds.de/fileadmin/Publikationen/Impulse/impulse-nr113-web.pdf

[2] Eurostat. (2021). Internetrecherche zu gesundheitsrelevanten Informationen in Deutschland 2021 | Statista. Anteil der Personen in Deutschland, die das Internet zur Beschaffung von gesundheitsrelevanten Informationen genutzt haben, in den Jahren 2006 bis 2021. Zugriff am 21.02.2023. Verfügbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/158825/umfrage/internetrecherche-nach-krankheiten-und-ernaehrung-in-deutschland/

[3] Gille, S., Griese, L., Hurrelmann, K. & Schaeffer, D. (2021). Blackbox Gesundheitssystem. Die Bedeutung der Gesundheitskompetenz. impu!se für Gesundheitsförderung, (113), 4–5. Zugriff am 21.02.2023. Verfügbar unter: https://www.gesundheit-nds.de/fileadmin/Publikationen/Impulse/impulse-nr113-web.pdf

[4] Griebler, R. (2021). Neue Ergebnisse zur Gesundheitskompetenz in Österreich. impu!se für Gesundheitsförderung, (113), 7–8. Zugriff am 21.02.2023. Verfügbar unter: https://www.gesundheit-nds.de/fileadmin/Publikationen/Impulse/impulse-nr113-web.pdf

[5] Müller, O. & Hoffmann, B. (Kolpatzik, K., Mohrmann, M. & Zeeb, H., Hrsg.). (2020). Digitale Gesundheitskompetenz in Deutschland, AOK. Zugriff am 21.02.2023. Verfügbar unter: https://www.aok-bv.de/imperia/md/aokbv/gesundheitskompetenz/studienbericht_digitale_gk_web.pdf

[6] Schaeffer, D., Berens, E.‑M., Gille, S., Griese, L., Klinger, J., Sombre, S. de et al. (2021). Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland vor und während der Corona Pandemie: Ergebnisse des HLS-GER 2. https://doi.org/10.4119/UNIBI/2950305

[7] Sørensen, K., van den Broucke, S., Fullam, J., Doyle, G., Pelikan, J., Slonska, Z. et al. (2012). Health literacy and public health: a systematic review and integration of definitions and models. BMC Public Health, 12, 80. https://doi.org/10.1186/1471-2458-12-80

[8] WHO (WHO, Hrsg.). (2020). Managing the COVID-19 infodemic: Promoting healthy behaviours and mitigating the harm from misinformation and disinformation. Zugriff am 22.02.2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news/item/23-09-2020-managing-the-covid-19-infodemic-promoting-healthy-behaviours-and-mitigating-the-harm-from-misinformation-and-disinformation